Es gibt ihn noch – den Politiker mit Courage

Es war nicht schön zu sehen, dass in Berlin und anderen Städten mal wieder der rechte Mob aufmarschieren durfte – unter den Augen und mit Genehmigung von Verwaltung und Polizei. Aber es war schön zu sehen, dass eine breite engagierte Front Flagge zeigte und den Nazis zu verstehen gab, was die Mehrheit der Gesellschaft von ihnen hält. Partei- und organisationenübergreifend wurde ein Bündnis organisiert, um den 1. Mai nazifrei zu machen. Unter anderem beteiligten sich Demonstranten von SPD, Grünen, Linken, Piraten, ver.di, Antifa uvm. daran! Sehr toll war auch, dass sich direkt im Vorfeld von Gewaltaktionen distanziert wurde und Eskalationen vermieden werden sollten. Nur die CDU solidarisierte sich indirekt mit den Rechten, als sie Warnungen vor den Gegendemonstranten verteilte.

Und plötzlich – wen fand man inmitten einer Sitzblockade in Berlin? Neben dem Grünen-Abgeordneten Wolfgang Wieland und dem Integrationsbeauftragten Günter Piening saß auch Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) auf der Straße, um dem braunen Zug Einhalt zu gebieten. Und das tat er so lange (friedlich), bis er von der Polizei weggeschleppt wurde.  Ich hätte nicht gedacht, dass es noch (Bundestags-)Politiker gibt, die noch die Courage für solche Aktionen haben und aktiv Zeichen gegen Rassismus und Fremdenhass setzen – nicht nur in leeren Worten. Thierse selbst dazu: „Ich denke, es ist eine Bürgerpflicht, sich gegen Nazis zu wehren”

Und prompt kommen wieder die Querschüsse der konservativen Organisationen: Der CDU-Abgeordnete Hans-Peter Uhl verurteilte Thierses Engagement und forderte offen freies Marschrecht für die Neonazis. Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Rainer Wendt empfahl Thierse sogar, seinen Hut zu nehmen. Sogar aus der SPD, Thierses eigener Partei kamen Angriffe, z.B. von Berlins Innensenator Ehrhart Körting.

Ich persönlich hoffe, dass sich manche Politiker mal ein Herz fassen, Taten folgen lassen und auch effektiv gegen Rechtsextremismus vorgehen – mit schönen Worten im Plenum ist es allein nicht getan. Thierse und alle anderen, die sich am 1. Mai in Berlin beteiligt haben, können hier als Vorbild dienen. Meinen tiefsten Respekt – Deutschland ist bunt, wir haben keinen Platz für Hass und Rassismus!

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