CDU stellt Verkehrskonzepte für Berlin vor

Meine Damen und Herren, an diesem Samstag erleben wir eine Zäsur. Ich finde Vorschläge der CDU gut.
 
Zumindest beim Thema Verkehr und ÖPNV in Berlin haben sie Recht… wir brauchen Konzepte die den Bedürfnissen dieser Stadt gerecht werden! Nachhaltige Verkehrsplanung schließt ALLE Verkehrswege mit ein. Das betrifft auch Mobilitätsoptionen, welche den ÖPNV sinnvoll ergänzen, inbesondere jene für die sogenannte “letzte Meile”, wie z.B. Ride-Sharing oder e-Scooter. Zeitgleich muss ein Zugriff auf einen leistungsfähigen ÖPNV auch in den Außenbezirken gewährleistet sein. Das Konzept sieht hierzu bspw. vor, dass von jedem Punkt Berlins aus eine S-Bahn-, U-Bahn- oder X-Bus-Station in maximal 10 Minuten Fußweg erreichbar sein soll. Dass dies aber nicht allein der Weisheit letzter Schluss sein kann, hat Verkehrsforscher Andreas Knie erst diese Woche in einem Gastbeitrag für den SPIEGEL verdeutlicht. Eine nachhaltige Verkehrsplanung beinhaltet nicht nur die Mobilität zwischen Knotenpunkten wie Haltestellen und Bahnhöfen sondern auch den “Tür-zu-Tür”-Verkehr.
 
Hierzu sind auch gemeinsame Planungen mit dem Land Brandenburg unerlässlich, gerade wenn es z.B. um Themen wie die U7 zum BER nach Schönefeld oder die Ausweitung des Tarifbereichs B geht. Das Mobilitätsbedürfnis endet schließlich nicht an der Stadtgrenze. Wenn man den Autoverkehr in Berlin verringern möchte, müssen attraktivere Bedingungen für die Pendler aus den brandenburgischen Gemeinden im Berliner Speckgürtel geschaffen werden.
 
Die CDU Berlin erörtert Möglichkeiten, die zumindest mal eine Diskussion lohnen, bspw. eine Expressbahn auf dem Ring, diverse sinnvolle U-Bahn Lückenschlüsse, (z.B. Krumme Lanke – Mexikoplatz) sowie Tram-Erweiterungen auf eigener Trasse. Der Vorschlag einer Magnetschwebebahn (a.k.a. Transrapid Light) ist vermutlich für deutsche Planungsverhältnisse noch ziemliche Zukunftsmusik – aber was spricht dagegen, die Möglichkeiten zu evaluieren?  In anderen Ländern / Städten sind solche System bereits erfolgreich in Betrieb.
 
Rot-rot-grün setzt leider tatsächlich fast ausschließlich auf das Konzept Tram. Diese hat zwar durchaus ihre Berechtigung im Verkehrsmix und dient (gerade hier im Bereich Köpenick) als Grundversorgung, teilt sich jedoch größtenteils den Fahrweg mit dem Individualverkehr, was sie in ihrer Leistungsfähigkeit extrem ausbremst. Hier würde ich mir wünschen, dass Scheuklappen abgelegt werden und ergebnisoffen auch alternative Verkehrsträger geprüft würden. 

 

Und – oh Wunder – der Entwurf der CDU beschäftigt sich durchaus auch mit dem Thema Radverkehr. Kennt man ja sonst eher nicht von den autofreundlichen Christdemokraten. Der Berliner Senat hatte ja in den letzten Wochen mit der spontanen Umsetzung von “Pop-Up-Radwegen” von sich reden gemacht, was eher so semi-erfolgreich war. Das größte Problem dieser extrem schnell errichteten Radspuren ist die mangelnde Sicherung und die weiterhin wilde Nutzung als Zweite-Reihe-Parkplatz durch Autofahrer. Ich stimme mit dem vorgelegten Entwurf der CDU überein, Radwege sollten mit festen Begrenzungen von der Fahrbahn getrennt werden um das Unfallrisiko zu senken. Neu ist tatsächlich, dass sich die Union in Berlin explizit pro Radverkehr positioniert, beispielsweise auch mit der Idee eines Radschnellwegs unterhalb der Hochbahn. Zudem sollen Pflastersteinstraßen sukzessive durch fahrradfreundlichere Beläge ersetzt werden.

 

Vermutlich eher nicht kommen werden die angedachten “Wassertaxis” auf der Spree. Dabei wäre auch dies eine Überlegung wert – gerade auch im Hinblick auf den Tourismus. Direkt neben dem Berliner Hauptbahnhof liegt das Becken des Humboldthafens bisher ungenutzt, die Spree führt direkt aus der Innenstadt an den wichtigsten Hotspots vorbei, bis nach Spandau im Westen und an den Müggelsee im Osten. Mit der Stern- und Kreisschifffahrt sowie der Weißen Flotte gibt es bereits Anbieter, die touristische Fahrten anbieten, ebenso betreibt die BVG bereits heute ein paar wenige Fährlinien. Dieses könnte man beispielsweise nach Vorbild der venezianischen Vaporetti als kleines “Wasserbus”-Netz ausbauen. Davon würden gerade auch die Spreebezirke im Osten (Treptow, Plänterwald, Schöneweide, Köpenick. Grünau) profitieren. Anlegestellen gäbe es größtenteils bereits.

 

Last but not least setzt sich die CDU noch für ein weiteres Thema ein, dass schon seit langem auf meiner persönlichen Wunschliste steht, nämlich einen zweiten Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) im Osten der Stadt, vornehmlich am Ostkreuz. Damit könnte man den innerstädtischen Fernbusverkehr, der heute noch von den meisten Anbietern zur provisorischen Haltestelle am Alexanderplatz geht, an eine verkehrstechnisch sehr gut erschlossene Stelle führen und eine sinnvolle Ergänzung zum bestehenden ZOB in Westend sowie der Station am Südkreuz schaffen. Der Fernbusverkehr ist parallel zur Deutschen Bahn eine weitere Alternative, innerdeutsche Flugreisen zu ersetzen.

 

An welcher Stelle ich der CDU nicht zustimmen kann, ist ihre Weigerung gegenüber einer City-Maut. Dies wird durch die zusätzliche Belastung der Pendler erklärt, die auf das Auto angewiesen seien. Was allerdings dem Bestreben widerspricht, den ÖPNV so auszubauen, dass auch Arbeitnehmer aus dem Umland auf dieses verzichten könnten. Im Übrigen könnte man hier auch die Berliner Arbeitgeber in die Pflicht nehmen. Wer seinen Angestellten beispielsweise die City-Maut für den Arbeitsweg bezuschussen müsste, denkt vermutlich eher auch mal über die Möglichkeiten des Home-Office nach um generell den Pendlerverkehr zu reduzieren.

 

Auch dem Thema Smart City / Smart Mobility wird in dem Papier Platz eingeräumt. Ob Berlin die IAA dafür braucht, ist zwar fraglich – aber gerade die Themen wie Ladeinfrastrukturen, autonome Busse etc. sind bisher von Rot-Rot-Grün nur sehr spärlich bis gar nicht bearbeitet worden.

 

Grundsätzlich lässt sich aus meiner Warte sagen, dass vieles in diesem Konzept ein Stoß in die richtige Richtung ist und würde mir eine tiefergehende Beschäftigung des Senats damit wünschen. Insbesondere das Thema der Finanzierung wird zu diskutieren sein, darüber schweigt sich die CDU aus. Richtig ist auch, dass Berlin im Vergleich zu anderen Städten (z.B. Stuttgart *hüstel*) bereits ein sehr attraktives ÖPNV-Konzept hat. Dies muss jedoch auch mit den Möglichkeiten der Digitalisierung und neuen Ideen erweitert werden um den nach wie vor extrem hohen Anteil des Individualverkehrs in der Stadt auf ein erträgliches Maß zu senken. Das macht die Stadt dann nachhaltig lebenswert.

Weitere Infos

Das Verkehrskonzept der CDU Berlin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You may use these HTML tags and attributes:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>