Flüssige Fortbildung: Störtebeker Bierverkostung

Bei meinem Wocheneinkauf im Park Center Treptow letzte Woche kündigte ein Aufsteller ein Bierverkostungs-Event der Störtebeker Braumanufaktur in Zusammenarbeit mit dem hiesigen real,- Markt an. Deren Bier hatte ich bereits in einer meiner Berliner Lieblings Bier-Bars kennengelernt.

Also direkt den Fritzn angerufen und dann uns beide angemeldet.

Am gestrigen Freitag abend fanden wir uns dann am Treffpunkt, dem Störtebeker Verkaufsbereich im Real ein… trotz, dass wir kurz vor knapp kamen, waren wir tatsächlich die Ersten.

Erstaunlicherweise war ausser den üblichen Verkaufs-Displays nichts aufgebaut, das auf eine Verkostung hindeutete – keine Gläser, Tische oder ähnliches. Der Verkaufsleiter empfing uns freundlich mit dem Hinweis, man würde noch kurz auf den Rest warten, bevor es losgeht.

Störtebeker Bierverkostung in Berlin

Störtebeker Bierverkostung in Berlin

Als der Rest eingetrudelt war, ging es mit der Gruppe ins Obergeschoss des Einkaufszentrums, wo vor dem italienischen Schnellrestaurant ein gedeckter Tisch vorbereitet war. Nach einer kurzen Begrüßung durch die Vertreter von Real und Störtebeker begann die Bier-Sommelière mit einer kurzen Einführung über Wissenswertes rund um das Thema Gerstensaft.

Unter anderem wurden Themen wie der Brauvorgang, die Unterschiede zwischen den einzelnen Hopfen- und Malzarten sowie den diversen im Handel erhältlichen Biersorten behandelt. Auch die Braumanufaktur selbst, welche sich in der Hansestadt Stralsund befindet, wurde kurz vorgestellt.

Spannend: Die Herstellung von alkoholfreiem Bier ist etwa doppelt so teuer, wie die von alkoholhaltigem. Grund ist die Entsorgung des hierbei anfallenden Ethanols, welche von einem Zollprüfer überwacht werden muss – dank der in Deutschland geltenden Branntweinsteuer.

Während der theoretischen Einführung wurde bereits das erste Bier, das Baltik Lager – mild, malzig und fast etwas süßlich – ausgeschenkt. Quasi als leichter Einstieg.

Schokoladenmalz und Hopfen

Störtebeker Bierverkostung Berlin

Zum darauf folgenden zweiten Bier, dem ebenfalls leichten aber hellen Atlantik Ale wurde frischer Matjes auf Pumpernickel gereicht. Beides war jetzt eher weniger mein Geschmack. Fisch ist eh nicht wirklich meins und das Ale schmeckte für mich irgendwie so ein bisschen, wie Bodenreiniger riecht. ;-)

Als nächsten Gang gab es frisches Bierbrot, dazu diverse Käsesorten. Zum Gorgonzola wurde das Bernstein-Weizen empfohlen, welches ich bereits kannte. Erstaunlicherweise passt die frische Bananen-Note tatsächlich ziemlich gut zum würzigen Käse. Als ich das Bernstein kürzlich zuhause trank, fand ich es nicht so prickelnd. Aber in dieser Verbindung hat es definitiv gepasst.

Zum Ingwerkäse kam dann mein bisheriger Favorit, das dunkle Roggen-Weizen. Auch das hatte ich schon daheim – und kann es absolut empfehlen! Mit seinem kräftigen leicht holzigen Aroma passt es meiner Erfahrung nach bestens zu einem guten Steak (medium to rare).

Frisches Brot und Käse zum Störtebeker Bier

De Fritzn begutachtet sein Störtebeker Bier

Als “Zwischenbier” wurde das Kellerbier 1402 ausgeschenkt, während die Sommelière die Legende des Piraten Störtebeker, nach welchem die Brauerei benannt wurde, zum Besten gab.

Das 1402 ist ein qualitativ solides Bier nach Pilsener Brauart, das meiner Ansicht nach auch nicht wirklich eine kulinarische Beilage nötig hat. Ich würde es tatsächlich zum Ausschenken in geselliger Runde oder bei Spieleabenden nutzen. Der Geschmack ist würzig aber nicht zu herb.

Der Nachtisch verwandelte sich dann zum unerwarteten Highlight. Zu sehr leckeren Brownies wurde das Starkbier gereicht – verbunden mit der Anweisung, dieses noch nicht zu trinken. Damit hatte die Sommelière noch etwas Besonderes vor. Mittels eines erhitzten Stabes wurde das Bier “gestachelt”. Durch diese 3-sekündige Hitzeveredelung karamelisiert der Restzucker und es entsteht ein Cappuccino-ähnlicher Schaum. Das Starkbier bekommt dadurch einen karamelligen Geschmack, der herrlich zu Schokoladendesserts passt. Kannte ich so in dieser Form noch nicht. Laut Sommelière kann man dies auch zuhause mit einem Crème-brûlée Brenner nachmachen. Muss ich auf jeden Fall mal probieren.

Stacheln des Störtebeker Starkbiers

Störtebeker Bierverkostung in Berlin

Zum Ausklang dann nochmal etwas Besonderes: Das Scotch Ale ist ein mit britischem Whiskymalz produziertes Starkbier mit einem recht trockenen, rauchigen Geschmack. Damit spricht es natürlich in erster Linie Whisky-Liebhaber an. Laut Aussage der Sommelière sollte man dieses Bier auch eher wie eine Spirituose genießen, eine Flasche würde für 3 Personen reichen. Der Fritzn hätte dazu gerne eine gute Zigarre gehabt. :-)

Jeder Gast durfte sich noch 2 Flaschen Bier und sein Verkostungsglas mit nach Hause nehmen… es ging gegen 23 Uhr, als wir gesättigt und auch leicht angeheitert das Park Center verließen. ;)

Fazit

Auf jeden Fall hat es sich gelohnt – man hat einiges Spannendes über Sorten, Herstellung, Trinktemperaturen, Foodpairing etc. erfahren, was man so bisher als “Normal-Biertrinker” noch nicht wusste. Dazu die Gelegenheit gehabt, sich mal durch diverse Variationen zu probieren. Meine Highlights des Abends waren dabei erneut das Roggen-Weizen (das ich ja schon davor gerne getrunken hatte) aber eben vor allem das gestachelte Starkbier zur Süßspeise… das hat mich ziemlich geflasht.

Flecky bei der Störtebeker Bierverkostung in Berlin

Es war ein sehr angenehmer Verkostungsabend mit sympathischem Personal der Brauerei und netten Gästen. Einziger Wermutstropfen: Die Geräuschkulisse im Centerbereich war teils etwas laut, so dass man manchmal die Sommelière schlecht verstand. Normalerweise werden solche Abende in Gaststätten durchgeführt. Danke an Störtebeker für den netten Abend.

Und dann verriet die Vertreterin des Real Markts noch, dass kommenden Monat ein Whisky-Tasting stattfindet… klingt auch spannend! ;)