Musikperlen des Jahres 2015

Nach einem Jahr Pause gibt es 2015 mal wieder meine persönlichen Songs des Jahres. Und ich tat mir, ehrlich gesagt, das erste Mal etwas schwer. Diese ganzen komischen Deep House Songs von Felix Jaehn bis Lost Frequencies und wie sie alle heissen… mit denen konnte ich so gar nichts anfangen. Klang alles irgendwie gleich – und irgendwie langweilig. Aber dann gab es doch noch ein bisschen gut gemachten Pop, Rock aus dem Baltikum und Songwriter, die was zu sagen haben:

 

1. Noel Gallagher’s High Flying Birds – “Ballad Of The Mighty I”

Meine Begegnung mit diesem Song begann mit einem Missverständnis. Nämlich mit meiner festen Überzeugung, dass es ja dann auch einen Song “Ballad Of The Mighty II” geben müsste. Den ich nicht fand, weil das “I” eben für “I” wie “ich” steht und nicht für die Zahl 1. Nach dem Auseinanderbrechen von Oasis gründete Liam Gallagher die Band Beady Eye, sein Bruder Noel die High Flying Birds. Deren dieses Jahr erschienene Album “Chasing Yesterday” war so ein bisschen mein persönliches Musik-Highlight des Jahres… weil sie den Stil von Oasis auf eine wunderbare Weise nicht nur zitiert (wie z.B. in “Riverman”) sondern auch weiter entwickelt. Die erste Single ist rockig, melodiös, facettenreich.

 

2. Herrenmagazin – “Halbes Herz”

Mal laut, mal leise, aber immer nachdenklich, scharfsinnig und Mut machend – das sind die Texte von Herrenmagazin. Deren neues Album “Sippenhaft” erschien dieses Jahr und mein Favorit auf der Platte (ja, ich habe sie tatsächlich auf Vinyl gekauft) ist “Halbes Herz”. Mit der klaren Aufforderung, den Blick nach vorne zu richten und für seine Sache zu brennen!

 

3. Deichkind – “Selber machen lassen”

Hach ja. Die Chaoten von Deichkind. Was soll man zu denen eigentlich noch sagen. Ausser vielleicht, dass die Herren faul geworden sind und für “Selber machen lassen” scheinbar keinen Finger selbst rührten. Eine herrlich anarchistisch-konsequente Umsetzung des Songtitels. Und so kommen statt der Fischköppe in diesem Track Deutschlands feinste Musiker zu Wort, u.A. Campino, Kraftklub, Fettes Brot oder Inga Humpe.

 

4. von Brücken – “Mein furchtbar besoffenes Herz”

Der Abschied von Nicholas Müller von Jupiter Jones, jener Band, die er jahrelang prägte, kam plötzlich. Krankheitsbedingt hatte der charismatische Sänger entschieden, eine Auszeit zu nehmen. Jetzt ist er wieder zurück – ohne Jupiter Jones, dafür mit neuem Partner. Die Songs selbst klingen jedoch immer noch irgendwie nach seiner alten Band – im positiven Sinne. “Mein furchtbar besoffenes Herz” – eine emotionale Nummer mit klaren Worten, wie man es von JJ, pardon Nicholas Müller kennt.
 

5. Metric – “The Shade”

Hier also die Musik für die Pop-Fraktion. Die Kanadier von Metric veröffentlichten dieses Jahr mit “Pagans In Vegas” endlich ein neues Album – und sie gingen damit auf Tour. Was im Gedächtnis bleibt, sind eine grandiose Show im Huxleys in Berlin und eine Platte voller Popsongs, die bis auf ein, zwei Ausnahmen eine konsequent solide Ohrwurm-Garantie bieten. Auch toll auf dem Album: “Lie, Lie, Lie” und “Fortunes”.

 

6. Grossstadtgeflüster – “Fickt-Euch-Allee”

Horrido, auch GSGF sind wieder da. “Fickt-Euch-Allee” steht als Graffiti auf einer Hausfassade in Neukölln – und die Band um Sängerin Jen schien sich davon wohl inspiriert zu fühlen, einen Song zu schreiben. Die Berliner Zeitung beschrieb die Nummer als “Hymne wie ein rülpsendes Ablassventil”. Besser kann man es nicht beschreiben. Genug gesagt!

 

7. Pyro Trees – “Resistor”

Über eine gute Freundin aus Lettland bin ich zufällig auf diese Band aus dem Baltikum gestoßen. Pyro Trees machen soliden Rock mit Britpop-Einfluss ohne Schnörkel. Vorsicht: Der eingängige Refrain von “Resistor” setzt sich ziemlich schnell im Ohr und auf den Lippen fest.

 

8. Solar Fake – “You Need The Drugs”

Tatsächlich eine Coverversion. Das Original stammt von Techno-Großmeister WestBam und wurde vom Dark-Electro Künstler Sven Friedrich alias Solar Fake für dessen neues Album “Another Manic Episode” neu arrangiert. Opulenter, sphäriger und düsterer als das Original… und ich muss es zugeben: einen Tick besser.
 

9. Parov Stelar – “The Sun”

Und zack: Das direkte Kontrastprogramm zu Solar Fake. Parov Stelar macht Electroswing, was ja als das neue heiße Ding gehypt wird. Tatsächlich aber gar nicht schlecht, tanzbar, stimmungsfördernd – und herrlich auf der linken Spur der Autobahn.

 

10. Wanda – “Meine beiden Schwestern”

Das da ist ziemlich neu… vor 2 Wochen erst zufällig auf einem Musiksender, der seinen Namen noch verdient, gesehen. Dass intelligenter Rock mit österreichischem Schmäh-Akzent funktioniert, hatte ich nicht für möglich gehalten. Die Texte der Band Wanda muss man oft zweimal hören um ihre Aussage zu verstehen. Auch vor provokanten Themen schrecken die vier Wiener nicht zurück.

 

Und jetzt viel Spaß beim Musikgenuss, wie immer per Spotify Playlist! :)



 

Beitragsbild: CC-BY-SA Anders Printz via Flickr