Mensch vs. Gott – Teil 1

Vor einiger Zeit begann ich mir Gedanken über mein Verhältnis zu einem möglichen Gott zu machen… hier der erste Teil davon.

Heutzutage geistern viele Vorurteile gegenüber dem Atheismus im Raum herum. Doch Atheismus, das Wort in seiner ursprünglichen Herkunft bedeutet eben in erster Linie mal nichts anderes als „ohne Gott“. Daran wollen wir erstmal festhalten.
„Ohne Gott“ – also die Existenz eines Überwesens leugnend. Diese Position ist so alt, wie auch der Glaube selbst. Im christlichen Jargon einst als Heiden beschimpft, in Kreuzzügen zwangsmissioniert und heute gesellschaftsfähig? Tatsächlich gibt es wenige Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich offen zum Atheismus bekennen, während die Religionen mit immer mehr Prominenten aufwarten können, so z.B. der fundamental-christliche Xavier Naidoo oder Madonna für den jüdischen Kabbalah-Glauben. Auch die Muslime haben mit dem konvertierten Cat Stevens, der sich nun Yusuf Islam nennt, ihren Vorzeige-Promi.
Doch zurück zum Thema – welche Gründe gibt es, die Existenz eines Gottes zu bestreiten? Die großen Enzyklopädien nennen an dieser Stelle Dutzende Lehren und Theorien mit langen Fremdwörtern, doch die wenigsten davon sind wirklich maßgebend. Die Erfahrung zeigt, dass die Hauptgründe des Zweifels auf zwei Säulen liegen – nämlich der wissenschaftlichen Widerlegung der Gott-Theorien und einem großen religionsphilosophischen Problem namens Theodizée. Zu beiden Gründen später mehr.
Aber Atheismus ist nicht die Ablehnung von Ethik und Moral, sowie eines gewissen Verhaltenscodex des Zusammenlebens. Nur, weil man Gott ablehnt, muss man nicht alles ablehnen, was im Lauf der Geschichte mit ihm in Verbindung gebracht wurde.
Nehme man beispielsweise die Zehn Gebote – sie sind im Grunde genommen die Vorläufer der heutigen Menschenrechte und sollten in irgendeiner Form im Grundgesetz jedes modernen Staates verankert sein. Und nicht nur dort – jeder Mensch sollte diese Grundregeln als Grundmoral der Gesellschaft anerkennen. Deshalb bejahe ich auch ihre ausdrückliche Erwähnung in der Bibel und im Koran, ganz unabhängig von sämtlichen Theorien und Spekulationen über ihre Herkunft.
Mein persönlicher Atheismus glaubt an die Tatsache, dass jeder Mensch für sein Schicksal und in gewissem Maße auch das Schicksal seiner Mitmenschen selbst verantwortlich ist. Dies bedeutet, dass wir als Menschen unser Leben selbst in die Hand nehmen sollen – mit all seinen Folgen, Rechten und Pflichten. Wir haben das Recht, unseren Planeten und unser Dasein darauf frei zu gestalten aber wir haben auch die Pflicht, verantwortungsbewußt zu handeln um unseren Zeitgenossen genauso wie unseren Erben das gleiche freie Leben zu ermöglichen, wie wir es uns selbst auch wünschen.