Kurz notiert: Zum Tod von Osama bin Laden

Osama bin Laden soll tot sein. Zumindest berichten das seit 2 Tagen die Nachrichten unter Berufung auf US-Präsident Barack Obama. Einen tatsächlichen Beweis gibt es nicht, immerhin hatten es die Amerikaner ja seltsamer Weise ziemlich eilig, sich der Leiche des “Top-Terroristen” zu entledigen. Und die Ergebnisse einer angeblichen DNA-Analyse wurden bis jetzt der Öffentlichkeit nicht präsentiert. Genausowenig wie aussagekräftiges Bildmaterial.

Die Erleichterung und Genugtuung über die Todesnachricht ist dennoch groß, einhellig freuen sich Politiker und Menschen (diese Formulierung ist Absicht!) über das sozialverträgliche Frühableben des selbsternannten Verteidiger des Islams. Doch auch kritische Stimmen mischen sich in diese Debatte. Wie könne man nur den Tod eines Menschen gutheißen – und wo bleibt der Rechtsstaat? Tatsächlich orakelte bereits die deutsche Hip-Hop Formation Die Firma kurz nach den Anschlägen am 11. September 2001  in einem ihrer Texte “Die USA wollen für Bin Laden sicher kein Verfahren.”.

Ich hätte Bin Laden auch lieber vor einem ordentlichen Gericht gesehen. Ich hätte in sein Gesicht sehen wollen während er versucht, seine Greueltaten zu rechtfertigen. Bestimmt hatte er schon alle Staffeln der Gerichtsverhandlungen von Saddam Hussein zuhause auf Video und guttenbergte bereits seine Verteidigungsstrategie. Als Demokrat ist es Pflicht, sich auf ein rechtsstaatliches Verfahren zu berufen. Als Unbeteiligter ist es möglich. Ich kann jedoch jeden einzelnen direkt Betroffenen verstehen, den das “unchristliche Gefühl der Rache” (Tagesschau) beschleicht. Wer seine nächsten Menschen verliert, wer aus nächster Nähe dieses Leid ansehen musste, der wird nicht anders können, als sich mehr oder weniger hämisch zu freuen und zumindest etwas Genugtuung zu spüren. Das ist nur allzu menschlich.

Und dann kommt gerade ausgerechnet Papa Ratzi um die Ecke und lässt den Vatikan in einer Pressemitteilung verkünden, man kritisiere die Freude über den Tod Osamas. Freude über den Tod eines Menschen sei mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar. Sagt der ehemalige Chef der Glaubenskongregation, die damals unter dem Namen “Inquisition” Ungläubige in rauhen Mengen niedermähte. Oder ist es etwa genau das? Verbindet den Vatikan und Al-Kaida vielleicht ein Stück ähnliche Geschichte? Bringt man vielleicht deswegen in Rom so etwas wie Mitleid entgegen?

Zum Schluss noch ein kleiner Gedankengang: Jeder in diesem Krieg getötete Zivilist ist einen kurzen Satz in den Nachrichten wert und gilt danach als unvermeidlicher Kollateralschaden. Schon einen Tag später ist der unschuldige und unbeteiligte  Tote vergessen. Bei einem direkt Beteiligten, beim Drahtzieher, regt man sich auf, wie kann man denn nur? Es liegt nun an den USA, stichhaltig zu beweisen, dass die Tötung Bin Ladens im Feuergefecht aus notwendig und unausweichlich war. Wenn sie es tatsächlich war, kann ich damit gut leben. Auch als Befürworter des Rechtsstaats und der Demokratie.