Kurz notiert: Zum Bundesvision Song Contest 2012

Zum achten Mal zelebrierte Stefan Raab gestern seinen Bundesvision Song Contest auf ProSieben. Kurz “BuViSoCo” genannt, denn jede pseudo-hippe Sendung braucht ja eine Abkürzung – und so reiht man sich ein in GZSZ, DSDS und HIMYM. Allerdings ist spätestens seit gestern klar – von dem charmanten Konzept des ursprünglichen Wettbewerbs sind im Jahre 2012 nur noch Scherben übrig. Wer allen Ernstes glaubt, frische unbekannte Bands hätten gegen große Namen wie Xavier Naidoo samt seinen kreischenden Teenie-Jubelpersern auch nur den Hauch einer fairen Chance, der hat irgendwas grundlegend nicht verstanden. Die Auswahl der Musiker für den achten BuViSoCo schien als reine Umrahmung für den vorausgeplanten Sieg des singenden Christen-Fundamentalisten konzipiert gewesen zu sein. Viele austauschbare 08/15 Möchtegern-Indiebands , die unvermeidliche Klamauknummer (Orsons) und ein Ex-Rapper, der neue Wege aus der drohenden Versenkung sucht. Wirkliche Akzente setzten nur Boris von Fettes Brot, der als Der König tanzt auf Solopfaden wandelt und der herrlich skurrile Auftritt von Laing. Letztere wurden immerhin vom votierenden Publikum auf Platz 2 gehievt, während der König auf Platz 10 landete.

Den endgültigen Abschuss des Vogels brachte Pro7 dann aber, als in den Werbepausen der spätere Siegerbeitrag von Xavier Naidoo und seinem Rapkollegen als Musiktipp in einem Trailer präsentiert wurde. Ich glaube, sowas nennt man dann Wettbewerbsverzerrung. Auch bot man den Favoriten eine deutlich aufwändigere Bühnenshow als allen anderen Bands.

Doch dann geschah etwas, mit dem wohl so kaum jemand gerechnet hätte: Als sich der deutliche Vorsprung des baden-württembergischen Beitrags abzeichnete, keimte Unmut in der Berliner Max-Schmeling-Halle auf. Die Vergabe hoher Punktzahlen an das Duett wurden plötzlich mit Pfiffen und Buh-Rufen quittiert. Raab sichtlich irritiert und um Schadensbegrenzung für sein Prestige-Projekt bemüht. Man brauche die großen Namen um Aufmerksamkeit für die kleinen zu generieren. Braucht man das wirklich? Wenn dem so wäre, könnte man die Big Players außer Konkurrenz auftreten lassen, so wie z.B. Seeed am gestrigen Abend. Damit wäre dem doch schon Genüge getan.

Bleibt abzuwarten, ob Stefan Raab aus der Publikumsreaktion gestern etwas gelernt hat. Eine Rückbesinnung auf alte Ideale täte der Veranstaltung mehr als gut. Heißt: Jeder Musiker kommt aus dem entsprechenden Bundesland (gestern: nur 6 von 16!!). Keine großen Namen, die schon seit Jahren in den Charts vertreten sind. Und die Abschaffung der Möglichkeit, für das eigene Bundesland zu stimmen – das schafft Vorteile für die Flächenländer und benachteiligt die kleinen.

Dann könnte der BuViSoCo vielleicht endlich wieder glaubwürdig werden. Und interessant. Und: spannend!

 

P.S.: Einen “interessanten” Artikel liefert Spiegel online…. ich frage mich, ob sie den gleichen BuViSoCo gesehen haben, wie ich. Aber nachdem der Autor nicht mal weiß, welches Auto da verlost wurde, gehe ich davon aus, dass er eh nicht so ganz bei der Sache war. ;)

 

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