Kurz notiert: Zu den US-Kongresswahlen

Das Ergebnis schockiert mich. Keine zwei Jahre nach dem Verschwinden des ungeliebten George W. Bush erreichten bei den Kongresswahlen in den USA die Republikaner wieder die Mehrheit im Repräsentantenhaus. Eine Schlappe für Obama sei dies, titeln viele Medien heute… doch ist es nicht vielleicht eher eine Schlappe für die Amerikaner? Dass der Präsident schneller als viele erwarteten in der Realpolitik angekommen ist, wird ihm übelgenommen. Dass Obama nicht innerhalb so kurzer Zeit die desaströsen USA, die ihm Bush hinterließ würde aufräumen können, war klar. Von vornherein überzogen daher die Erwartungen an einen “Heilsbringer” Obama – wobei er diese natürlich teilweise selbst mitgeschürt hatte.

Doch Politik ist leider mehr als Idealismus – sie ist harte Arbeit. Und oft ernüchternd. Dies musste auch Obama einsehen… aber er hat einen großen Vorteil gegenüber dem Republikaner Bush: Er macht beileibe nicht immer alles richtig, aber er strengt sich an! Er ist bemüht, die USA sozialer, bürgernäher, friedlicher und vor allem kooperativer zu machen. Mag sein, dass die Bürger der Staaten dies erst zweitrangig erkennen – die internen wirtschaftlichen Probleme wiegen schwer. Aber mit der heutigen Wahl wurde es Obama in keinster Weise leichter gemacht, die Herausforderungen anzugehen. Zumal – und das hat schon der Wahlkampf gezeigt – die Republikaner wieder voll auf Konfrontation aus sind. Trotz aller Gesprächs- und Kompromissbereitschaft der Demokraten, die mich tatsächlich schon von konstruktivem Miteinander-Arbeiten in den USA träumen ließ. Stattdessen wird Obama fröhlich wechselweise mit Hitler oder den Kommunisten und Sozialisten verglichen (????), anstatt sachlich über die Meinungsverschiedenheiten zu diskutieren. Da half dann leider auch die kürzlich stattfindende “Demo der Vernünftigen” in Washington D.C. nichts. Ich hoffe, dass meine Befürchtungen nicht wahr werden und wir 2013 eine Präsidentin Palin alias Bush 2.0 sehen.