Kleine Kämpfe zwischen Herz und Vernunft

Dass sich das Herz und der Verstand nicht wirklich mögen, ist hinreichend bekannt. Die Erfahrung, die beiden im Clinch liegen zu sehen, hat wohl jeder schon gemacht. Doch es muss nicht immer in den großen melodramatischen Liebesdingen sein – selbst bei den kleinsten alltäglichen Banalitäten beginnen sich diese aufzuführen, als wären sie in einem innerkörperlichen Debattierklub.

Gestern abend fuhr ich von einem Kundengespräch in Ostfildern mit der Stadtbahn zurück nach Hause… und wie das dann so ist nach einem fordernden Tag, bekommt man Hunger. Wäre kein Problem gewesen, in meinem Kühlschrank wartete ja noch ein Rest Brokkoliauflauf vom Mittag auf mich. Doch in meinem tiefsten Inneren gelüstete es mich nach einer Portion dieser leckeren gebratenen Nudeln mit Hähnchen und Curry vom China-Imbiss am Cannstatter Bahnhof. Nur leider liegt dieser mal so gar nicht auf dem Weg zwischen Ostfildern und Stammheim. Kurzum verbrachte ich eine knappe halbe Stunde Fahrzeit  damit, mir zu überlegen, ob ich den großen Umweg in Kauf nehmen sollte, ob sich das lohnen würde, dass es eigentlich unnötige finanzielle Ausgaben sind und was ich dann mit dem Rest Brokkoli machen würde. Beim Umsteigen am Hauptbahnhof hatte sich dann doch die Vernunft durchgesetzt, dem Abstecher nach Bad Cannstatt abgesagt und so bestieg ich die Bahn Richtung heimwärts. Doch meine inneren Gelüste schmollten. Und das, obwohl Brokkoliauflauf auch sehr lecker ist.