Jacko und ich. Zum fünften Todestag von Michael Jackson.

Und was hast du an dem Tag gemacht, als Michael Jackson starb? Donnerstag, 25. Juni 2009 – kurz nach 7 Uhr morgens. Meine damalige Freundin weckt mich mit einer Tasse Kaffee und einem besorgten Gesicht. “Ich muss dir was Trauriges sagen.”. Kein Guten Morgen oder ähnliches. “Michael Jackson ist tot.” . Ich halte das zuerst für einen schlechten Scherz, stehe auf und laufe ins Wohnzimmer, wo der Fernseher läuft. Ein Newsticker-Band bestätigt die Worte, dazu Bilder von Neverland.

Dazu muss ich sagen, ich hatte es geahnt und befürchtet. Bereits einige Wochen vorher, als Jackson seine finalen “This Is It” Konzerte ankündigte, sah er aus wie der personifizierte Tod. Schwarz gekleidet, das Gesicht kreideweiß, abgemagert, und von zahlreichen Operationen zur einem Schatten seiner selbst verunstaltet. Und obwohl er sicherlich an dieser körperlichen Entwicklung größtenteils selbst Schuld trug, tat er mir leid.

In der Dokumentation “Michael Jackson – Life Of An Icon” beschrieb ein Freund von ihm Jackos Entwicklung als eine Mischung aus stetiger schlechter Beratung durch Menschen, denen er zu schnell vertraute – und der Einwirkung von außen, insbesondere der großen Gerichtsprozesse. Letztere werden wohl immer wie ein Schatten über der Person und der Erinnerung an Jackson liegen. Im ersten Prozess zahlte Jackson, angeblich um seine Ruhe zu haben und die anstehende Tour nicht zu gefährden. Im zweiten Prozess wurde er von allen Anklagepunkten freigesprochen. Zu viele Leute haben sich hierzu schon zu Wort gemeldet und die Thematik aus allen Blickwinkeln kommentiert, das werde ich hier nicht mehr tun. Ich möchte Jackson als das würdigen, was er für mich war: Kongenialer Musiker, großer Entertainer – aber auch exzentrischer und teils in seinem Verhalten für mich oft unverständlicher Mensch.

.Weihnachten 1991 bekam ich zu meinem ersten eigenen CD-Player auch drei CDs. Eine davon war das Album “Dangerous” von Michael Jackson. Und so liefen zunächst die kommenden Wochen “Heal The World” und “Will You Be There” abwechselnd in Dauerschleife. Später entdeckte ich den Rest des Albums, rockte zu “Give In To Me” und tanzte zu “In The Closet“. “Dangerous” blieb über viele Monate die meistgespielte Scheibe in meinem Zimmer.

Dann war Jacko bei “Wetten dass…?!”. 1995.

Vor diesem Auftritt hatte ich mich mit seiner Persönlichkeit eher weniger beschäftigt, ich beschränkte mich auf seine Musik. Und plötzlich kam diese damals schon recht dürre Figur im simplen weißen T-Shirt und schwarzer Hose daher – und wirbelte zum “Earth Song” kreuz und quer über die Bühne, powerte sich aus vollführte akrobatische Leistungen. Ich staunte ordentlich.

Und überhaupt, der “Earth Song”…. bis heute mein absoluter Favourite von Jacko. Ein dramatisches Meisterwerk, leise im Beginn, ein stetiges Crescendo, bis es sich mit gewaltiger Power entlädt. Für mich ein Meilenstein – und vor allem im Zusammenspiel mit dem Video eine eindrucksvolle Umsetzung seiner Botschaft, sich für unsere Welt zu engagieren. Das mit dem Welt retten, das war ja eh so sein Ding. Neben den zahlreichen musikalischen Appellen, engagierte sich der Philanthrop Jackson in zahlreichen großen und kleinen Dingen gegen Armut und Krieg und für den Umweltschutz. Auch, wenn er das viel zu oft zu naiv und meist auch sehr melodramatisch anging, hat er dafür meinen vollsten Respekt.

Nach dem “Earth Song” kam das “HIStory” Album und “They Don’t Care About Us”. Ich war begeistert von der simplen Struktur der mitreißenden Nummer, die größtenteils nur aus Jacksons Gesang und der eindrucksvollen Performance der Percussiongruppe OLODUM bestand. Dieser Track begeisterte mich vollends für das Thema Drums – mit deswegen habe ich angefangen, Schlagzeug zu lernen.

“Was ist mit den alten Nummern?” – könntet ihr nun korrekterweise fragen. Die größte Zeit von Jacko war bekanntlich bereits vor “Dangerous”. Doch lernte sich seine Alben “Off The Wall”, “Thriller” und “Bad” tatsächlich erst 1997 kennen – als ich zufällig in der reichhaltigen Schallplattensammlung meines Onkels stöberte. Das eher 70s-discolastige “Off The Wall” schob ich recht schnell beiseite, das war eher weniger mein Stil. Auch wenn mich dafür viele nun sicherlich verständnislos anschauen werden. Ich fuhr dafür volle Kanne auf “Bad” ab und kaufte mir im Anschluss das Werk auch auf CD.

Währenddessen brachte Jacko den Film “Ghosts” heraus, sowie das zugehörige Album “Blood On The Dance Floor”. Von dem Film war ich nachhaltig beeindruckt – insbesondere faszinierte mich als damals 14-jährigen, dass MJ fünf Rollen gleichzeitig spielte. Und während meine Großeltern der Ansicht waren, dass ein solches Machwerk doch definitiv nichts für Kinder sei, nahm ich ihn irgendwann auf VHS (ja, das gab es damals noch!) und schaute ihn heimlich.

Leider ging es danach abwärts. Sowohl mit seiner Person, als auch musikalisch. Nach einer langen Pause erschien irgendwann “Invincible”, was für mich wie ein lieblos zusammengeschustertes Etwas wirkte, das man mit allen Mitteln an den Zeitgeist anzupassen versuchte. Vielleicht war Jacko auch hier einfach zu schlecht beraten. Oder es war einfach der Effekt der mittlerweile beendeten erfolgreichen Zusammenarbeit mit Produzent Quincy Jones.

Danach hörte ich von Jackson leider nur in nicht musikalischer Form. Bis zu “This Is It” eben. Und trotz dieser Pause blieben seine bisherigen Scheiben zu jeder Zeit Teil meines musikalischen Lebens. Oft genug drehte ich “Dirty Diana” zu laut auf, versuchte den Rap von “Black Or White” zu lernen – und bekam Gänsehaut beim “Earth Song”.

Meine damalige Freundin hatte Recht – es waren sehr traurige Nachrichten. Am Tag, als Michael Jackson starb, ging einer der begnadetsten Entertainer, den diese Welt hatte und je haben wird. Was ich aber irgendwann realisierte ist, dass sein zeitloses musikalisches Vermächtnis wohl über Generationen erhalten bleibt- wie wohl auch die zahllosen Mythen über seine Person. Ich für meinen Teil konnte mich mit diesem Gedanken trösten.

“Lke a comet, blazing ‘cross the evening sky – gone too soon….”