Hanns-Martin-Schleyer-Halle?

Große Aufschreie gehen durch die ganze Bundesrepublik, wenn sich – oft unbeabsichtigt – irgendwelche Memorabilien aus dem Dritten Reich in unsere heutige Zeit schleichen (s. a. “Jedem das Seine?”). Doch bereits seit 1983 steht mitten in der Landeshauptstadt Stuttgart ein Bauwerk, das einem ehemaligen NS-Funktionär huldigt: die Hanns-Martin-Schleyer-Halle. Klar, Herr Schleyer wurde im sogenannten Deutschen Herbst von der RAF entführt und ermordet – dennoch war er während des Dritten Reichs ein entschiedener Verfechter nationalsozialistischer Ideologien. So warf er im Jahr 1935 seiner Studentenverbindung “mangelndes nationalsozialistisches Verhalten” vor, als diese sich weigerte, Juden auszuschließen. Bereits 1931 trat er in die Hitlerjugend ein, zwei Jahre später wurde er Mitglied der SS. Später engagierte er sich auch in der Partei selbst, sowie in der NS-Studentenbewegung. Von einem Mitläufer kann man hier sicher nicht sprechen, auch wenn er nach dem Krieg (nach Protest seinerseits) als solcher eingestuft wurde. Immerhin fiels in seinen Zuständigkeitsbereich auch die “Arisierung” der tschechischen Wirtschaft und die Beschaffung von Zwangsarbeitern.
Und später schafft es ein Mann mit solcher Vergangenheit, die er nie wirklich bereute, bis zum Arbeitgeberpräsident in einem demokratischen Deutschland. Ich heiße seine Ermordung durch linksextreme Terroristen sicher nicht für gut… aber genausowenig seine Hochstilisierung zum Märtyrer der BRD im Deutschen Herbst. Mit einer Selbstverständlichkeit wurde Anfang der 80er Jahre die neue Veranstaltungshalle in Stuttgart – Bad Cannstatt nach ihm benannt – ohne seine dunkle Seite der Vergangenheit zu berücksichtigen – und niemand schrie auf. Bis heute nicht.