Erfahrungsbericht: Premierenfahrt mit MeinFernbus

Das Gesetz zur Beschränkung des innerdeutschen Busfernverkehrs ist gefallen – erwartungsgemäß tauchen nun die ersten Unternehmen auf, die der Bahn auf der Straße Konkurrenz machen wollen. Die Vorteile sollen dabei auf der Hand liegen: Weniger Umsteigen – und mehr Komfort bei niedrigeren Reisekosten. Das Unternehmen MeinFernbus, welches seit Juni 2011 existiert, setzt darüber hinaus noch auf den Ökologie-Faktor: Auf der Website wird auf eine Studie des Bundesumweltamts verwiesen, welche Reisebussen im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln eine verhältnismäßig gute Ökobilanz attestiert. Zudem besteht die Möglichkeit, bei der Buchung eine CO2-Ausgleichszahlung via myclimate zu leisten.

Da ich regelmäßig die Strecke zwischen Berlin und Stuttgart befahre, bin ich auch immer auf der Suche nach neuen und günstigen Reisemöglichkeiten. Den ICE-Normalpreis der Deutschen Bahn von 139,- € sehe ich gar nicht ein, die Flugpreise noch weniger. Da ich meist spontan reise, fallen die Frühbucher-Rabatte und Sparpreise auch größtenteils weg. Bis Dezember 2011 betrieb noch die DB-eigene Tochter BerlinLinienBus eine Verbindung zwischen Stuttgart und der Hauptstadt – nach deren Einstellung blieben mir dann jedoch irgendwie nur noch die Regionalzüge mit Quer-durchs-Land-Ticket als kostengünstige Alternative.

Durch Zufall bin ich dann über Facebook auf MeinFernbus gestoßen. Ich muss dazu sagen, dass ich die kleinere “Konkurrenz” DeinBus.de , welche vor einigen Monaten einen spektakulären Prozess gegen die Deutsche Bahn gewonnen hatten, schon seit einiger Zeit beobachte. Diese bieten allerdings bisher nur Linien in Baden-Württemberg und Bayern. Inwiefern MeinFernbus eine professioneller gemachte Kopie von DeinBus ist, lassen wir mal dahingestellt.

Auf der Website von MeinFernbus erkannte ich als erstes, dass es auch dort keine direkte Verbindung zwischen Stuttgart und Berlin gibt. Allerdings liegt der Abfahrtsort Neckarsulm doch einigermaßen verkehrsgünstig nahe an der baden-württembergischen Hauptstadt. Die Fahrpreistabelle wies mir für die entsprechende Strecke einen Normalpreis von € 55,- aus, was mehr als akzeptabel ist. Als ich das Ticket buchte, war ich positiv erstaunt, dass mir trotz einer Buchung nur wenige Tage vor der Fahrt der Sparpreis von € 22,- berechnet wurde. Zusammen mit den 7 € für das Bahnticket von Stuttgart nach Neckarsulm sind das nicht zu schlagende 29 € für die gesamte Fahrt.

Am Reisetag selbst kam ich dann 30 Minuten vor Planabfahrt am Bf. Neckarsulm an – und war zunächst mal verwirrt. Keinerlei Ausschilderung oder Hinweis auf den Haltepunkt von MeinFernbus. Dies ist in soweit unpraktisch, da es am Bf. Neckarsulm an drei verschiedenen Positionen Haltestellen gibt. Und auch der kleine Busbahnhof besitzt mehrere Halteplätze. Auch drei weitere eintrudelnde Passagiere waren ihres Weges unschlüssig.

Zur planmäßigen Abfahrtszeit um 10 Uhr war kein Bus zu sehen. Immer mal wieder blickte ich auf mein Handy, da ich bei der Buchung meine Nummer hinterlassen konnte um über Verspätungen informiert zu werden. Um 10:20 wurden auch die anderen Wartenden unruhig, ob wir nicht doch am falschen Ort standen. Punkt halb 11 kam dann eine SMS von MeinFernbus, dass das Fahrzeug aufgrund der Verkehrsverhältnisse ca. 40 Minuten Verspätung hätte. Diese Info hätte viel früher kommen sollen, da es regnete und ziemlich kalt war…. dann hätten wir uns im Bahnhofscafé unterstellen können.

Um 10:40 erschien der quietschgrüne Bus dann tatsächlich und hielt direkt vor unserer Nase am Vordach des Bahnsteigs. Der Fahrer stieg aus, entschuldigte sich höflich für die Verspätung und nahm unser Gepäck zum Verladen entgegen. Erstaunlicherweise musste ich weder – wie in der Bestätigungsmail angekündigt – Ticket noch Personalausweis vorzeigen. Dem Fahrer genügte mein Name, den er auf einer elektronischen Liste abhakte. Zu diesem Zeitpunkt merkte man auch, dass der Bus schon den Weg aus meiner alten Heimat Freiburg gekommen war – der Fahrer hatte einen herrlichen badischen Akzent, durch den ich mich gleich wohl fühlte. ;)

Nachdem mein Trolley im Gepäckraum verschwunden war, begab ich mich auf einen freien Platz im Oberdeck des Busses und checkte erstmal die Lage. Beinfreiheit: Passt! Sauberkeit im Bus: Sehr gut (sogar die Bordtoilette)! Anschnallgurte: Vorhanden. Bordtemperatur: An der unteren Grenze (nicht zu kalt, aber auch nicht wohlig warm). Dem Infoblatt entnahm ich dann zwei Top-Features. Erstens: kostenfreies W-LAN während der Fahrt. Zweitens: Für € 1,50 Fairtrade-Kaffee soviel man möchte. Perfekt für den geneigten reisenden Nerd. :D

Die Fahrt selbst verlief sehr angenehm, die beiden Fahrer wechselten sich ab und fuhren sicher und zuverlässig. Allerdings war die kleine Zwischenpause an einem Rasthof sehr gering dimensioniert. 10 Minuten reichen nur dann, wenn am Rastplatz ein Schnellrestaurant vorhanden ist… da jedoch nur ein Serways-Restaurant zum Hinsetzen existierte, waren die Möglichkeiten zum Hunger stillen dürftig. Das Essensangebot an Bord umfasste größtenteils leider nur Knabbereien und Süßigkeiten. Die Verspätung wurde nicht mehr aufgeholt, so dass der Bus um 18:00 Uhr statt 17:20 den ZOB Berlin erreichte. Ansonsten aber nicht wirklich viel zu meckern – vor allem nicht für diesen Preis.

Fazit: MeinFernbus bietet günstiges und komfortables Reisen. Leider ist das Liniennetz bisher noch ziemlich dünn, dies soll aber nach eigenen Angaben noch ausgebaut werden. Wobei es mich wundert, dass die Linie von Freiburg über Karlsruhe nach Berlin nicht über die A8 fährt und Stuttgart direkt bedient… sondern die Querspange der A6 weit nördlich an der Landeshauptstadt vorbei nimmt.

Arbeiten sollte das Unternehmen noch an den Kleinigkeiten, die manchmal eben wichtig sind (Ausschilderung, Benachrichtigungen etc.). Darüber habe ich heute noch hinweg gesehen, da es ja die Premierenfahrt dieser Linie war – und schon die nächsten Tickets für die Weihnachtsfeier in Stuttgart gebucht. Was sich dann auf der nächsten Tour vielleicht verändert hat? Ich werde es sehen.