Ein Jahr an der Akademie Deutsche POP Berlin. Erfahrungen und Fazit.

 

Von Oktober 2011 bis September 2012 hatte ich an der Akademie Deutsche POP Berlin den Ausbildungsgang Online-Marketingmanager belegt. Dieser bestand aus den vier Kursmodulen Marketing, Onlinemarketing, Projektmanagement und Medienmanagement. Der erste Eindruck der Akademie war sehr gut – man pflegte einen lockeren und freundschaftlichen Umgangston und auch das Personal schien engagiert. Mit den Blöcken Marketing und Projektmanagement wurde das erste Halbjahr gefüllt. Der Unterricht fand pro Kursmodul 1x in der Woche für 4 Stunden in Berlin-Charlottenburg statt. Zu Beginn schien dies noch recht wenig und sehr entspannt, allerdings wurde die übrige Zeit schnell mit Projekten, Aufgaben und der Projektarbeit gefüllt, so dass man meist gut ausgelastet war.

Der Unterricht selbst war sehr durchwachsen. Die Dozentin im Modul Projektmanagement hat ihren Stoff sehr effektiv und interessant rübergebracht – und war stets top vorbereitet. Hier hat man wirklich was gelernt. Anders im Marketing-Kurs: Der Dozent war zwar fachlich kompetent, der Unterricht jedoch chaotisch und unstrukturiert gestaltet. Die Attitüde des Dozenten wurde spätestens zu dem Zeitpunkt klar, als er sich auf freundliches Bitten ausdrücklich weigerte, am Flipchart wenigstens einigermaßen leserlich zu schreiben. Auch die Skripte des Marketing-Blocks waren wenig aussagekräftig und veraltet.

Sehr unterschiedlich waren auch die Haltungen der verschiedenen Dozenten zum Thema Pflichterfüllung. Während die Projektmanagement-Dozentin nach den eigentlich offiziellen Prüfungsrichtlinien der Akademie handelte, durfte in einem anderen Kurs ein Mitstudent der mehrfach unentschuldigt fehlte, sein Referat noch ohne Probleme nachholen. Mehrfach konnte man den Eindruck gewinnen, dass Noten auch subjektiv gegeben werden – einige Studenten stehen mit Dozenten auch beruflich in Verbindung.

Den Bezug zur Praxis gab es in diversen Exkursionen mit dem damaligen Übungsleiter, welche durchaus interessant und spannend waren. Diese führen größtenteils backstage zu Musik- und Kulturevents, hier konnte man einen Einblick erhalten, wie es hinter den Kulissen von Veranstaltungen zugeht und was zu beachten ist. Diese Ausflüge endeten allerdings nach dem ersten Halbjahr als der Übungsleiter ins Büro-Team wechselte.

Ebenfalls zum zweiten Halbjahr verließ der bisherige Standortleiter die Akademie. Dessen Nachfolger sollte ursprünglich jener Dozent werden, welcher den Block Medienmanagement unterrichtete. Damit verband ich sehr große Hoffnungen, was die Qualität der Akademie anging, denn sein Unterricht war geprägt von sehr großem Engagement und Fachwissen. So ergänzte jener die (wieder veralteten) Skripte der Deutschen POP in Eigeninitiative durch eigene, sehr hilfreiche Zusatzunterlagen und organisierte sogar eine Führung in den Deutschlandfunk-Studios. Leider gab er die Standortleitung bereits nach einigen Wochen wieder ab.

Der zweite Kurs im zweiten Halbjahr (Onlinemarketing) war geprägt von einem sehr sympathischen und humorvollen Dozenten, der allerdings meist erst in den ersten 10 Minuten des Unterrichts seinen Tagesplan vorbereitete.

Bereits zu Beginn des Kurs-Jahres fiel mir auf, dass das in der Branche so wichtige Networking über eine altmodische Pinnwand im Gemeinschaftsraum, der “Lounge” stattfand. Ein Onlineportal bzw. eine Community gab es nicht. Dies fand ich in zweierlei Hinsicht problematisch: Erstens rühmt sich die Deutsche POP mit dem Anspruch, eine innovative Medienakademie zu sein, zweitens sind die meisten Studenten nur 1 oder 2 Mal pro Woche vor Ort am Campus. In Abstimmung mit dem Leiter des Studentennetzwerks und dem damaligen Standortleiter entwickelte ich für die Deutsche POP Berlin ein Onlinecommunity-System, wofür ich einen Übungsleiter-Vertrag erhielt, also als Mitarbeiter angestellt wurde. Hier fand ich äußerst befremdlich, dass sich die Akademie laut Vertrag bis zu 90 (!!) Tagen für die Überweisung des Lohns Zeit lässt. Und selbst das wurde oft nicht eingehalten.

Im Gesamten wurde ab ca. dem 7 Monat die Organisation und die Kommunikation mit dem Büro zunehmend problematischer…. so wurde z.B. zugesichertes Equipment für Projekte kurzfristig gecancelt (teilweise noch am gleichen Tag). Das neue Büroteam bildete eine eingeschworene Gemeinschaft, die oft auch nach persönlicher Sympathie zu handeln schien. So wurde ich z.B. auch vom Büro-Team über die Abschaltung der Online-Community in einer knappen e-Mail ohne Angabe von Gründen informiert. Den entsprechenden Hinweis an die Teilnehmer, solle ich bitte loyal zur POP gestalten. Zu diesem Zeitpunkt fehlte allerdings leider schon der gegenseitige Respekt zwischen mir und dem Büro-Team.

Komplett im Gegensatz zu den Angestellten standen die Kontakte mit den Mitstudenten. Hier hat sich das Jahr an der Deutschen POP wirklich gelohnt: Es ergaben sich nicht nur sehr viele interessante Kontakte für Projekte, sondern es entstanden auch Freundschaften. Im Endeffekt waren Networking und Socializing der deutlich größere Gewinn als die Kurse an sich.

 

Fazit:

Für die gezahlten Kursgebühren sind die Inhalte der Kurse eindeutig zu schwach, insbesondere die Unterlagen bedürfen einer gründlichen Überarbeitung. Die Dozenten-Auswahl ist sehr durchwachsen, man kann Glück oder Pech haben. Die Notengebung ist beizeiten nicht objektiv. Das Team sorgt sich via Marketing etc. extrem um die Außenwirkung, vernachlässigt aber massiv das Qualitätsmanagement und hat kaum ein Ohr für die Anregungen und Kritik der Studenten. Ein Feedback-Formular wie nach dem 1. Halbjahr gab es zum Schluss nicht mal mehr. Aus diesen Gründen kann ich die Akademie Deutsche POP Berlin leider nicht guten Gewissens weiterempfehlen.

 

 Update (05.02.2013):

Bis heute warte ich vergeblich auf mein ausstehendes Gehalt von Seiten der Akademie. Ein Mahnverfahren ist eingeleitet – Ende des Monats geht es zum Anwalt. Bei einem Gespräch mit einem ehemaligen Dozenten erfuhr ich, dass es ihm genau gleich geht, wie mir. Ich warne daher dringend vor Geschäftsbeziehungen mit der Akademie Deutsche POP und der Music Support Group!!

 

Update (13.08.2014):

Diese Woche erhalte ich ein Schreiben der Music Support Group (msg) mit einer Abmahnung aufgrund dieses Blogposts. Ich werde aufgefordert, diesen Inhalt aufgrund angeblicher Verleumdung unverzüglich offline zu nehmen. Dies werde ich nicht tun. Alle beschriebenen Tatsachen kann ich nachweisen. Rechtlichen Schritten von Seiten der Akademie Deutsche POP Berlin oder der Music Support Group kann ich gelassen entgegensehen.