E10-Skandal erreicht neue Ausmaße

Zunächst einmal sorry für die reißerische Überschrift. Doch wirklich viel anders kann man das nicht ausdrücken, was nun die Öffentlichkeit erreichte. Die Tagesschau enthüllt heute in einem Bericht, dass die angebliche Verordnung zur Beimischung von 10% Bioethanol in den Sprit NICHT aus der EU kommt. Joe Hennon, der umweltpolitische Sprecher der EU-Kommission wies entsprechende, in Deutschland seit langer Zeit kursierende Informationen, nun zurück. Diese entbehrten jeder Grundlage.

Damit steht für mich klar fest, dass die Bundesregierung in Bezug auf die Einführung von E10 gezielte Falschinformationen gestreut hat, um in der zu erwartenden Diskussion ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen und den schwarzen Peter nach Brüssel schieben zu können. Würde bei der dortigen Bürokratie schon keiner merken. Auch Strafandrohungen gegen die Mineralölindustrie im Falle eines zu niedrigen Absatzes der Biobrühe sind also auf deutschem Mist gewachsen. Man dachte sich wohl, entweder zwingt man den Verbraucher zur Abnahme von E10 und steht als Umweltschützer da – oder aber der Finanzminister freut sich zumindest über ein paar Scheinchen aus der Strafkasse.

Die Politik kritisiert unterdessen weiter die Industrie ob der Teuerung, die sie selbst zu einem großen Teil mit zu verantworten hat. Die Einführung und der Vertrieb von E10 ist für die Tankstellen sicher nicht kostenlos. Und dass es Kapazitätsprobleme geben wird, war auch abzusehen. Wirtschaftsminister Brüderle kündigte unterdessen einen “Benzin-Gipfel” an, in dem darüber gesprochen werden soll, wie man denn die Autofahrer “besser über E10″ informieren könne. Schließlich seien ja Autohersteller und Tankstellen an der Verunsicherung und damit den miesen Absatzzahlen schuld. An dieser Stelle ein Tipp aus der aktuellen Stimmung der Bevölkerung: Lieber Herr Brüderle – das Sprit-Kaffeekränzchen können Sie sich sparen. Stellen wie die Automobilclubs oder die öffentlich-rechtlichen Nachrichtenkanäle haben längst detaillierte Listen veröffentlicht, welche Automodelle mit E10 fahren (NICHT vertragen). Die Bürger WOLLEN die Mogelpackung nur nicht. Sie sind inzwischen darüber informiert, dass der ökologische Nutzen gegen null tendiert und stattdessen die Lebensdauer ihres Fahrzeugs verringert wird. Sie wissen, wem sie die tatsächliche Preissteigerung für E5 Benzin an den Tankstellen zu verdanken haben. Gestehen Sie ein, dass E10 auf Dauer nicht haltbar sein wird.

Und da ich nun weiß, dass das ganze Projekt deutscher Zuständigkeit unterliegt, habe ich heute eine Online-Petition zur Rücknahme der E10-Verordnung eingereicht – und hoffe auf Freischaltung nächste Woche. Dann spricht mal wieder der Souverän.