Die Bahn kommt. Mit Atommüll im Gepäck.

Die Castor-Behälter aus Sellafield und La Hague sind auf dem Weg. Auf dem Weg in das Noch-Zwischenlager Gorleben, das vielleicht bald offizielles Endlager sein könnte. Und sofort formiert sich der Widerstand. Und das zu Recht. Denn die Politik gönnt einer gefährlichen Technologie ein längeres Leben – ohne überhaupt Pläne zu haben, wie man die Überbleibsel entsorgen kann. Noch ist uns nicht vergönnt, zu wissen, wie Frau Merkel und ihre Parteigenossen reagieren würden, wenn man ein Atommüll-Endlager in ihrem privaten Garten einrichten würden – ihren Bürgern in Gorleben muten sie es aber zu. Und so müssen wieder einmal andere für die Politik-Schmierereien der Energielobby das Energiekonzept für die Zukunft der Regierung leiden.

Und im Grunde genommen verhält es sich doch mit den Atomkraftwerken samt Castor-Transporten nicht wirklich viel anders, wie mit dem Projekt Stuttgart 21. Sobald die Politik den Schutz der Polizeigewalt vor Projekten nötig hat, sollte sie sich fragen, ob nicht irgendetwas schief läuft. Und Polizeipräsenz wird zur Sicherung des Transports in großem Maße eingesetzt. Sogar das notorische Thema “Bundeswehreinsatz im Innern” wurde hierbei wieder laut.

Doch eines unterscheidet dann doch die Castor-Transporte von Stuttgart 21: Die Polizei befindet sich hier selbst in einer sehr großen Zwickmühle. In Interviews bekundeten viele Polizisten sehr offen und deutlich, Sympathien mit den Demonstranten zu haben. In diesem Sinne sitzen sie wohl zwischen den Stühlen – ihren Job müssen sie trotzdem machen. Jedoch kündigte ein Polizeisprecher deutlich an, man wolle so viele Demonstrationen wie möglich genehmigen, neben dem eigentlichen Transport auch das Demonstrationsrecht schützen und auf Gewalt verzichten. Ob sich das durchhalten lässt, bleibt die Frage – denn einige Aktivisten haben zur massiven Blockade durch Manipulationen am Gleis (“schottern”) aufgerufen. Mal abgesehen davon, dass dies klar gesetzeswidrig ist, ist es auch gefährlich. Man stelle sich mal vor, entsprechend präparierte Stellen werden nicht rechtzeitig erkannt und es kommt zu einem Unfall. Solche Aktionen zeugen nicht gerade von Verantwortungsbewusstsein.

Liebe Kernkraftgegner, liebe Demonstranten: Ihr seid auf dem richtigen Weg, ihr habt ein großes und sinnvolles Anliegen. Daher mein Appell: Bleibt friedlich, seid kooperativ. Demonstriert offen und aufmerksamkeitserregend, aber bleibt im Legalen! Und distanziert euch von den Schotterern.