Biosprit ohne Bio

Heute nachmittag geisterte die Schlagzeile durch die Nachrichten, dass die deutsche Mineralölindustrie die Einführung des “Biosprits” E10 vorerst stoppt. Als Begründung wurde angegeben, dass bisher nur etwa 30% der Autofahrer das von der EU verordnete Benzin-Ethanol-Gemisch tanken. Dies führe zu Kapazitätsproblemen an den Tankstellen und Lieferengpässen bei Super plus.
Der Schritt, den die Industrie geht, ist konsequent. Wenn auch gefährlich. Denn die EU hat die Konzerne per Gesetz dazu verpflichtet, E10 anzubieten. Wird eine bestimmte Menge nicht verkauft, drohen der Industrie Strafzahlungen, welche diese natürlich an die Verbraucher weiterleiten wird.

Und hier zeigt sich bereits der erste überhebliche Irrsinn einer fehlgeleiteten Politik: Man kann doch die Vertriebsstellen nicht dafür verantwortlich machen, dass die “Bio-Brühe” von den Kunden (zu Recht) nicht angenommen wird. Wer mich kennt, weiß, dass ich den Mineralölgesellschaften sehr kritisch gegenüber stehe – aber in dieser einen Sache muss ich sie tatsächlich einmal auch in Schutz nehmen. Wobei die Politik sicher auch geplant hat, dass die Strafabgaben im Endeffekt eine Ohrfeige für die bösen Autofahrer werden, welche E10 nicht tanken können oder wollen. So wird wieder einmal versucht, die Freiheit zu beschneiden, indem man den Bürgern ans Geld geht – nachdem die Preisanhebung des bisherigen E5 Sprits nicht genug war. Der von oben bestimmte Polit-Aktionismus (“schaut her, wir tun was für die Umwelt”) wurde recht schnell als Unsinn entlarvt. Nicht nur der ADAC warnte vor Mehrverbrauch und Motorenschädigung durch E10, sogar der BUND als Umweltverband bezeichnete ihn als Irreführung und Mogelpackung. Durch Abholzung für den Anbau und Monokulturen führt sich die angeblich gute Ökobilanz selbst ad absurdum. Darüber hinaus werden Rohstoffe für die Verarbeitung zu Sprit verwendet, welche eigentlich als Nahrungsmittel dienen könnten / sollten.

Daraus resultiert: E10 ist nicht nur alles andere als Bio, sondern auch noch schädlich für alle Motoren. Die sogenannte “E10-Verträglichkeit” bezieht sich nur auf die Tatsache, dass das Fahrzeug mit dem Sprit fährt. In jedem Fall geht mit dessen Benutzung eine Verringerung der Lebensdauer des Motors einher. Insofern kann man sich natürlich auch fragen, welche Rolle die Automobil-Lobby bei der Einführung dessen gespielt hat.

Um der EU allerdings die Blamage einer Rücknahme der E10-Verordnung zu ersparen, wird nun also versucht, mit aller Gewalt, die Verbraucher über den Geldbeutel zur Akzeptanz zu zwingen. Die Schuld an dem Desaster wird hierbei den Kritikern in die Schuhe geschoben, so soll z.B. der ADAC eine “konsequente Angstpropaganda” betrieben haben. Ich hoffe, dass die EU mit dieser Peitschenstrategie nicht durchkommt – und ein weitergehender Boykott – auch durch die Mineralölindustrie – zum Scheitern von E10 führt.

Umweltfreundlichkeit im Straßenverkehr fördert man immer noch am Besten durch Forschungsarbeit bei alternativen Antrieben (Wasserstoff, Autogas, Strom etc.) – und selbstverständlich in erster Linie mit einem attraktiven und gut ausgebauten öffentlichen Personennahverkehr. Ich bin mal gespannt, wann das in der EU ankommt. Blinder Aktionismus hat selten zu etwas Sinnvollem geführt – siehe auch das Thema Feinstaubplakette.

In ein ähnlich kritisches Horn stößt auch Holger Krawinkel, Energieexperte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen im Interview.

Zum Schluss noch ein sehr guter Kommentar, den ich (mal wieder) in der Zuffenhäuser Woche gefunden habe: