Augenblick mal…

Die Menschen denken zuviel über den Tod nach. Oder denken die Menschen zuviel über das Leben nach? Scheiß drauf… der Tod kommt sowieso und das Leben ist jetzt. Und Denken ist Zeit, in der du eigentlich Dinge tun könntest. Kommst dir cool vor, YOLO-Jugend, aber “Carpe diem” hat mich vor Jahren schon Robin Williams gelehrt. Und es ist mir wurst, ob mancher das als gewöhnlich und Mainstream tituliert, nur weil es gerade en vogue ist. Und wer zur Hölle hat eigentlich die Mär in die Welt gesetzt, dass man immer einer geraden Linie folgen müsse? “Sich treu bleiben”, für die meisten gleichbedeutend mit “Bleib in deiner Schublade”. Beliebigkeit, das Schimpfwort der Stunde. Doch in meiner Playlist läuft deadmau5 nach Samy Deluxe und Zeraphine nach den Hosen. Ich bin der, der heute in Bandshirt und Jeans am Schreibtisch sitzt und morgen im Sakko. Nenn das von mir aus Beliebigkeit, wenn es dir Spaß macht – ich pack meinen Schlaumeier aus und nenn das Diversität, Baby! Werde glücklich in deiner selbstgebastelten Schachtel, die du wahlweise konsequenten Lebensstil oder bewährte Tradition nennst und die dir doch den Blick auf so vieles raubt. Die einzige Schublade, in die ich gehöre, ist die mit den gemischten Socken, aus der man immer wieder Überraschungen zieht.

Und in diesem Augenblick, in dem ich mich durch die Lichter der Großstadt treiben lasse und der Moment wie zum Aufbewahren in Watte gepackt scheint wird mir klar, dass die wirklich wichtigen Momente nicht als Datei auf einer Speicherkarte bleiben – sondern als Erinnerung in Kopf und Herz. Aber die Voraussetzung dafür ist, dass du dir welche schaffst!  Die Qualität der Erinnerungen und den Zustand ihres Lebens kann man an den Gesichtern der Menschen in der nächtlichen U-Bahn ablesen, in der ich sitze. Doch ich habe gerade nicht das Gefühl zu fahren, sondern zu schweben. Nicht in der U-Bahn sondern in meiner Welt, die ich mir selbst wie Lego aus vielen bunten Facetten zusammengebaut habe. Für Außenstehende vielleicht chaotisch und ohne Konzept – aber jeder Stein von mir bewusst ausgewählt. Und ich kann sie über Nacht stehen lassen oder abreißen und neu bauen. Diese Welt, in der ich selbst die geistige und moralische Institution bin – und alle anderen Berater, auf die man hören kann, aber nicht muss. Aber diejenigen, die versuchten, in meiner Welt starre Grenzen einzuführen, die hab ich gefeuert. Fristlos. Sie dachten zu viel und lebten zu wenig.